PM: „Kohle erSetzen!“ blockiert Kraftwerk Neurath

Gewaltfreie Sitzblockade fordert den Kohleausstieg

Neurath, 26.08.17, 13:30 Uhr.

Seit 13:30 Uhr ist das Kohlekraftwerk Neurath im rheinischen Braunkohlerevier von Klimaschützer_innen blockiert. Mit kraftvollen und bunten Sitzblockaden sowie einem riesigen roten Banner versperren rund 150 Aktivist_innen von „Kohle erSetzen!“ die Zufahrten des RWE-Kraftwerks. Dessen klimaschädlicher Betrieb ist erheblich gestört. Die Sitzblockade soll auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Die Blockierenden fordern damit die sofortige Einleitung eines konsequenten Kohleausstiegs.

„Um den so nötigen Kohleausstieg einzuleiten, braucht es dringend solche Aktionen Zivilen Ungehorsams. Wir müssen das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen – weg von einem katastrophalen Klimawandel hin zu einer klimagerechten Welt,“ sagt Clara Tempel, Pressesprecherin der gewaltfreien Aktion. In Neurath steht das größte und klimaschädlichste Kraftwerk Deutschlands. Europaweit ist es das Kraftwerk mit den zweithöchsten Treibhausgasemissionen. Mit all den negativen Folgen der Braunkohle zieht RWE die vehemente Kritik der überwiegend jungen Aktivist_innen auf sich. „Es reicht nicht mehr, nur an Politiker zu appellieren. Die Kohle blockiert unsere Zukunft, also blockieren wir die Kohle“, so Clara Tempel.

Neben der Sitzblockade „Kohle erSetzen!“ finden noch andere Aktionen im Rheinland statt. Die gewaltfreie Aktion wurde durch das Jugendnetzwerk für politische Aktionen JunepA mit Unterstützung des ZUGABe-Netzwerks initiiert. JunepA hat es sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen die Aktionsform des Zivilen Ungehorsams näher zu bringen. Regelmäßig werden so z.B. Blockaden des Atombombenstützpunkts in Büchel (Rheinland-Pfalz), Rüstungsfabriken oder Atomanlagen durchgeführt. JunepA ist diesjähriger Preisträger des Aachener Friedenspreises, der am 1. September in Aachen verliehen wird.

Hintergrund

Jährlich werden im Neurather Kraftwerk 35 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen und damit genauso viel wie durch 13,5 Millionen Autos pro Jahr. Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger und macht nach wie vor ein Viertel der Stromproduktion sowie ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland aus. Die Bundesrepublik ist damit keineswegs Klimaschutzvorreiterin, sondern missachtet als Braunkohleweltmeisterin nationale und internationale Zusagen. Um das im Pariser Klimavertrag vereinbarte 1,5-Grad-Ziel auch nur ansatzweise einzuhalten, reichen die bisherigen Maßnahmen der Politik bei Weitem nicht aus.

Massive Probleme des Kohleabbaus sehen die Blockierenden auch in der fortschreitenden Zerstörung von Dörfern und schützenswerter Landschaft durch die riesigen Tagebaue, die noch bis 2045 weiter betrieben werden sollen. Giftige Quecksilber-, Feinstaub- und Stickoxidemissionen der Abbaugebiete und Kraftwerke schädigen die Gesundheit der Menschen vor Ort und in weitem Umkreis.

Eine rein erneuerbare Energieproduktion ist technisch und ökonomisch machbar. Die immensen Schäden durch den immer weiter voranschreitenden Klimawandel verursachen viel höhere Kosten als der frühzeitige Umbau unseres Energiesystems. Die großen Energiekonzerne überschreiten mit ihrem Festhalten an fossilen Energieträgern rote Linien. Immer mehr Menschen wollen dies nicht länger hinnehmen und beteiligen sich an vielfältigen Protesten. Durch die unterschiedlichen Aktionen hat die Klimabewegung in diesem Jahr eine bemerkenswerte Verbreiterung erfahren. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl und der Klimakonferenz Anfang November in Bonn wird diese steigenden Druck auf die Politik ausüben.

Weitere Hintergrundinformationen unter www.kohle-ersetzen.de/hintergrund

Eine Fotodatenbank zur Aktion finden Sie unter: kurzlink.de/db/kohle-ersetzen

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